Samstag/Sonntag, 24./25. März 1984 WIRTSCHAFT      

Amerikas erstes Bier nach deutschem Reinheitsgebot

  Cincinnati (vwd) - "Zum erstenmal in der Geschichte ist es einer amerikanischen Brauerei gelungen, ein Bier herzustellen, das dem strengen, mehr als 400 Jahre alten deutschen Reinheitsgebot entspricht." Was für deutsche Brauer wie eine Selbstverständlichkeit klingt, verbreitet die Handelskammer von Cincinnati/Ohio mit unüberhörbarem Stolz als brautechnische Pioniertat ersten Ranges. Dieser "erste amerikanische Erfolg nach deutschem Vorbild" soll den Angaben zufolge der Privatbrauerei The Hudepohl Brewing Company (470000 hl Jahresausstoß, 300 Mitarbeiter) in Cincinnati gelungen sein. Das neue Bier mit dem Markennamen Christan Moerlein sei von der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin getestet und für gut befunden worden.

  "Theoretisch könnten wir die erste amerikanische Brauerei sein, die Bier nach Deutschland exportiert", meint man bei der US-Brauerei, "jedoch haben wir für die nahe Zukunft keine solchen Pläne, zumal wir kaum der großen Nachfrage auf dem heimischen Markt gerecht werden können."
  Der Hopfen wird größtenteils aus der Bundesrepublik importiert. Das Rezept für das neue Bier stammt vom deutschstämmigen Chef-Braumeister, nach dessen Auffassung in den USA nur kleinere Privatbrauereien die notwendige Brausorgfalt für derartige "hochwertige Biere" aufbringen können. 1885 wurde Hudepohl Brewing Company in Cincinnati von Louis Hudepohl, einem Bayern, gegründet. Hudepohl war eine von 750 Brauereien, die die Prohibition überlebten. Heute gibt es in den USA nur noch 40 Brauereien.