Bachelor Softwaretechnik
Ab dem Wintersemester 2009/2010 bietet die Fakultät Informatik der Universität Stuttgart den Bachelorstudiengang Softwaretechnik an. Dieser vermittelt in sechs Semestern die Grundlagen des Faches mit dem Studienabschluss »Bachelor of Science«, der auf eine berufliche Tätigkeit vorbereitet. Es wird von der Universität Stuttgart empfohlen, nach dem Bachelor ein Masterstudium anzuschließen; eine konkrete Aufbaumöglichkeit bietet der Masterstudiengang Softwaretechnik.
Unterschiede zum Bachelorstudiengang Informatik
Allgemein lässt sich sagen, dass im Bachelorstudiengang Softwaretechnik der konstruktiven Aspekt und damit die Anwendung der Informatik in der Praxis stärker betont wird als im Bachelorstudiengang Informatik. Durch die Projekte ist die Teamarbeit ein wichtiger, bewusst betonter Bestandteil des Studiums. Die Studierenden sollen durch ihre Beteiligung an der konkreten, praxisnahen Arbeit die typischen Situationen ihres späteren Berufs bereits im Studium kennenlernen und die Hochschule mit einer besonders ausgeprägten Qualifikation für Tätigkeiten im Bereich der Softwareentwicklung und -bearbeitung verlassen. Die meisten der Absolventen wählen tatsächlich auch dieses berufliche Feld und haben dann gute Chancen, rasch in Funktionen wie Projektleiter o.ä. aufzusteigen.
Ablauf des Studiums
Der Bachelorstudiengang wird in 6 Semestern absolviert. Die ersten zwei Semester bilden das Grundstudium, die letzten vier das Fachstudium. Das Studium ist untergliedert in Pflicht- und Wahlbereich. Veranstaltungen des Pflichtbereichs sind für alle Studienteilnehmer obligatorisch, während innerhalb der Wahlbereiche selbständig Interessenschwerpunkte gesetzt werden können.
In den ersten zwei Jahren des Bachelorstudiums steht die Vermittlung der Grundlagen der Softwaretechnik im Vordergrund. Im letzten Jahr können die Kenntnisse der Pflichtveranstaltungen in Wahlbereichen, Seminaren und Projekten zu fortgeschrittenen Themen der Softwaretechnik vertieft werden.
Studienstruktur
Die folgende Tabelle gibt die Studienstruktur für Studierende nach der Prüfungsordnung von 2012 wieder. Die Tabelle für die Prüfungsordnung 2009 findet sich auf der Seite "Studienstruktur Bachelor Softwaretechnik PO 2009".
In der Tabelle werden die folgenden Abkürzungen verwendet:
SWS=Semesterwochenstunde (1 SWS = 45 min.); V=Vorlesung; Ü=Übung; P=Praktikum/Seminar; LP=Leistungspunkte; GL=Grundlagen; P=Pflichtmodul; W=Wahlmodul
| Semester | Lehrveranstaltung | Pflicht- /Wahlmodul | SWS V | SWS Ü | SWS P | SWS gesamt | LP |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Mathematik für Inf. und Swt. I | P | 4 | 2 | 6 | 9 | |
| Theoretische GL der Informatik I | P | 3 | 1 | 4 | 6 | ||
| Programmierung und Softwareentwicklung | P | 4 | 2 | 6 | 9 | ||
| Software-Qualität | P | 2 | 2 | 3 | |||
| English f. Software Engineers | W | 2 | 2 | 3 | |||
| Gesamt Semester 1 | 11 | 9 | 0 | 20 | 30 | ||
| 2 | Mathematik für Inf. und Swt. II | P | 4 | 2 | 6 | 9 | |
| Theoretische GL der Informatik II | P | 3 | 1 | 4 | 6 | ||
| Datenstrukturen und Algorithmen | P | 4 | 2 | 6 | 9 | ||
| Einführung in die Softwaretechnik | P | 3 | 1 | 4 | 6 | ||
| Gesamt Semester 2 | 14 | 6 | 0 | 20 | 30 | ||
| 3 | Algorithmen und Berechenbarkeit | P | 3 | 1 | 4 | 6 | |
| Katalog SWT | P | 3 | 1 | 4 | 6 | ||
| Einf. in die Technische Informatik | P | 3 | 1 | 4 | 6 | ||
| Programmentwicklung | P | 3 | 1 | 4 | 6 | ||
| Software-Praktikum | P | 4 | 4 | 6 | |||
| Gesamt Semester 3 | 12 | 4 | 4 | 20 | 30 | ||
| 4 | Katalog SWT | W | 3 | 1 | 4 | 6 | |
| Programmierparadigmen | W | 3 | 1 | 4 | 6 | ||
| Studienprojekt-Th (Theorie u. Seminar) | P | 3 | 1 | 4 | 6 | ||
| Studienprojekt-Pr (Praktikum) | P | 4 | 4 | 6 | |||
| Software Engineering | P | 3 | 1 | 4 | 6 | ||
| Gesamt Semester 4 | 12 | 4 | 4 | 20 | 30 | ||
| 5 | Sichere u. zuverlässige Softwaresysteme | P | 3 | 1 | 4 | 6 | |
| Katalog SWT | W | 3 | 1 | 4 | 6 | ||
| Studienprojekt-Th (Theorie u. Seminar) | P | 2 | 2 | 3 | |||
| Studienprojekt-Pr (Praktikum) | P | 6 | 6 | 9 | |||
| Katalog ISG | W | 3 | 1 | 4 | 6 | ||
| Gesamt Semester 5 | 8 | 4 | 8 | 20 | 30 | ||
| 6 | Katalog ISW | W | 3 | 1 | 4 | 6 | |
| Schlüsselqualifikation | W | 2 | 2 | 3 | |||
| Fachstudie Softwaretechnik | P | 4 | 4 | 6 | |||
| Seminar-SWT | P | 2 | 2 | 3 | |||
| Bachelorarbeit | P | 8 | 8 | 12 | |||
| Gesamt Semester 6 | 6 | 2 | 12 | 20 | 30 | ||
Erläuterungen zu den Katalogen
- Katalog SWT: Zur Auswahl (drei aus sechs) stehen:
- Grundlagen des Compilerbaus und der Programmiersprachen
- Einführung in die Numerik und Stochastik für Softwaretechniker
- Systemkonzepte und -programmierung
- Rechnerorganisation 1
- Modellierung
- Mensch-Computer-Interaktion
- Katalog ISG: Der Katalog enthält den Katalog SWT sowie alle Grundlagenfächer, also auch die Grundlagen der Eingebett. Systeme, Graph. Ingenieursysteme, Künstl. Intelligenz, Rechnerarchitektur.
- Katalog ISW: Der Katalog enthält den Katalog ISG sowie alle Seminare des Fachbereichs und alle Lehrveranstaltungen der Softwaretechnik- und Informatik-Masterstudiengänge.
- Die Kataloge sind hier vergröbert dargestellt. Sie sind formal weiter differenziert nach den Regelungen für die Prüfung, ISW auch nach dem Umfang (3 oder 6 LP). Entsprechend sind die Kataloge mit SWT-1 bis SWT-3, ISG-1 bis ISG-3, ISW-1 bis ISW-4 bezeichnet. Die bei den Katalogveranstaltungen angegebene Stundenverteilung über V und Ü ist nicht bindend, sondern nur als Beispiel zu verstehen. Das gleiche gilt für die Zuordnung der Katalogveranstaltungen zu den Semestern 3 bis 6, sie können also umgestellt werden.
Basismodule - 57 LP
- Programmierung und Softwareentwicklung
- Mathematik für Informatiker und Softwaretechniker
- Software-Qualität
- Theoretische Grundlagen der Informatik
- Datenstrukturen und Algorithmen
- Einführung in die Softwaretechnik
Ergänzungsmodule - 30 LP
- Katalog SWT
- Katalog ISG
- Katalog ISW
Kermodule - 51 LP
- Algorithmen und Berechenbarkeit
- Einführung in die Technische Informatik
- Programmentwicklung
- Software-Praktikum
- Software Engineering
- Programmierparadigmen
- Sichere und zuverlässige Softwaresysteme
- Fachstudie Softwaretechnik
- Seminar SWT
Kernmodule StuPro - 9 LP
- Studienprojekt-Th (Theorie und Seminar)
Fachaffine Schlüsselqualifikationen - 15 LP
Schlüsselqualifikationen - 6 LP
- English for Software Engineers
- Schlüsselqualifikation Webseite der Universität zu den Schlüsselqualifikationen
Bachelorarbeit - 12 LP
Module
Das Studium gliedert sich in Module, für die nach bestandener Modulprüfung bzw. nach Bestehen der Modulteilprüfungen die dem jeweiligen Modul zugeordneten Leistungspunkte (LP) vergeben werden. Module haben eine Größe zwischen 3 und 18 LP. Die Module umfassen inhaltlich zusammenhängende Lehrveranstaltungen und erstrecken sich über ein oder zwei Semester.
Prüfungsordnung & Modulhandbuch
Detaillierte Beschreibungen der einzelnen Module im Modulhandbuch sowie die Prüfungsordnung finden sich auf der Seite Studienpläne, Modulhandbücher und Prüfungsordnungen.
Leistungspunkte
Während des Studiums sind Leistungspunkte (LP) zu erwerben, durchschnittlich 30 pro Semester. Ein LP entspricht einem Arbeitsaufwand von 30 Stunden. Leistungspunkte sind ein quantitatives Maß für den mit dem Studium verbundenen zeitlichen Arbeitsaufwand und werden für das erfolgreiche Erbringen bestimmter Studienleistungen vergeben. Insgesamt werden für den Bachelor 180 LP benötigt.
Zeitplan
Die Tabelle der Studienstruktur bietet eine Übersicht über den Zeitplan des Studiums und über Pflicht- und Wahlbereiche. Das Studium dauert insgesamt 6 Semester. Der Einstieg ist immer zum Wintersemester möglich.
Prüfungsleistungen
Jedes Semester endet mit den einzelnen studienbegleitenden Modulprüfungen. Zusätzlich sind die unten genannten Prüfungen zu absolvieren.
Orientierungsprüfung
Die Orientierungsprüfung muss bis zum Beginn der Vorlesungszeit des dritten Semesters abgelegt werden (§6 (1) der Prüfungsordnung). Sie soll eventuellen Fehlentscheidungen in der Studienwahl vorbeugen und die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten überprüfen.
Die Orientierungsprüfung besteht aus den beiden Modulprüfungen »Programmierung und Softwareentwicklung« und »Einführung in die Softwaretechnik«.
Bachelorarbeit
Die Bachelorarbeit wird in der Regel im 6. Semester erstellt. Sie soll zeigen, dass innerhalb einer vorgegebenen Frist eine Aufgabenstellung aus dem Bereich Softwaretechnik selbständig nach wissenschaftlichen Methoden bearbeitet und die Ergebnisse sachgerecht dargestellt werden können. Mit der Bachelorarbeit werden 12 Leistungspunkte erworben.
Qualifikationen und Berufsaussichten
Nach dem Bild, das sich heute bietet, sind die beruflichen Aussichten hervorragend. Gegenwärtig (2009) sind unsere Absolventinnen und Absolventen sehr gesucht, und auch in den vergangenen zwanzig Jahren war die Informatik immer ein Fach, dessen Arbeitsmarkt deutlich überdurchschnittliche Chancen für Bewerberinnen und Bewerber bot. Dies wird sich auch in den nächsten zwanzig Jahren nicht ändern.
Eine Hochschulkarriere empfiehlt sich, wenn während des Studiums ein überdurchschnittliches Interesse an Forschungsthemen entdeckt wird. In diesem Falle können die Absolventinnen und Absolventen des Bachelor ihre wissenschaftliche Ausbildung in einem anschließenden Masterstudiengang vertiefen (siehe nächsten Abschnitt), um die inhaltliche Voraussetzung zu erwerben mit einem Promotionsvorhaben zu beginnen.
Wer den Bachelor Softwaretechnik erworben hat, besitzt zusätzlich ganz allgemein eine umfassende Ausbildung in diversen Bereichen, die in einem breiten Spektrum von Tätigkeiten eingesetzt werden kann. Diese Ausbildung schließt die folgenden Fähigkeiten ein: ein geschultes Abstraktionsvermögen, das präzise Formulieren komplexer Inhalte, der fachgerechte Umgang mit neuen Medien, das selbständige Lösen und Strukturieren unterschiedlicher Problembereiche sowie die zielorientierte und interdisziplinäre Zusammenarbeit im Team.
Masterstudium
Ein guter Bachelorabschluss qualifiziert für einen Masterstudiengang in Deutschland und Europa, insbesondere für die zukünftigen Masterstudiengänge am Fachbereich Informatik der Universität Stuttgart.
Masterstudiengänge in Informatik werden mit Beginn des Wintersemesters 2012 angeboten. Ein Bachelorgrad ist eine von mehreren Voraussetzungen für die Zulassung; die Zulassung kann auch vorzeitig unter dem Vorbehalt des erfolgreichen Abschlusses des Bachelorstudiums erfolgen.
Das viersemestrige Masterstudium umfasst in der Regel 120 LP; seine Inhalte sind forschungsorientiert. Der Masterabschluss ist im Allgemeinen die Voraussetzung für eine Promotion und die weitere wissenschaftliche Arbeit an der Universität oder anderen Forschungseinrichtungen.
Aktuell existieren die Masterstudiengänge in Informatik und Softwaretechnik. Geplant ist ein englischsprachiger Masterstudiengang Computer Science mit Majors in Visual Computing sowie weiteren aktuellen Gebieten der Informatik.

